Ausbildung zum/zur LandschaftspflegerIn – Kurzbeschreibung
Berufsbild
Die Ausbildung zum/zur LandschaftspflegerIn und GartengestalterIn ist eine FacharbeiterInnen-Intensivausbildung für Personen, die bereits längere Zeit berufseinschlägig beschäftigt waren und einer Nachschulung, Weiterbildung oder Höherqualifizierung bedürfen und für Personen, die ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können oder keine verwertbare Ausbildung besitzen.
Der 13 Monate dauernde Lehrgang stellt besonders für jene Personen ein attraktives Angebot dar, die für ihren beruflichen Neustart oder Umstieg einen besonders positiv besetzten Aufgabenbereich am „Arbeitsplatz Natur“ gewählt haben, der ihre Motivation und ihr hohes Engagement rechtfertigt.
Die vermittelten ökologischen Kenntnisse und Fertigkeiten befähigen zu sensiblerem und nachhaltig positivem Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Diese Fähigkeiten sind am Arbeitsmarkt durchaus gefragt, der Trend zu Naturgärten ist anhaltend (z.B. Aktion „Natur im Garten“ in Niederösterreich)
Als handwerkliche Grundlage erhalten die künftigen LandschaftspflegerInnen eine gediegene Basisausbildung in allen Sparten des Gartenbaues, des biologischen Landbaues und der Gartengestaltung und erwerben Kenntnisse und Fertigkeiten der WaldpflegerInnen und der ForstfacharbeiterInnen als Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung.
Kursinhalte
Biotopgestaltung und Biotopmanagement, Gestaltung von Naturgärten, Baumpflege und Baumsanierung, Ingenieurbiologie und Vegetationstechnik, Pflege historischer Gärten, Schutzgebietspflege, Bau von Gründächern und Schwimmteichen; Kompostierung und biologischer Anbau von Gemüse und Kräutern, Spezialpraktika (Permakultur, Waldpflege, Planzeichnen, EDV …)
Ökologie ist integrierender Bestandteil jedes einzelnen Faches und wird durch Spezialpraktika in Botanik, Vegetationskunde, Zoologie und Hydrobiologie vertieft.
Didaktik/Methodik
Die Ausbildungsmaßnahme ist als Intensiv-Kursus konzipiert, dem ein Modulsystem zugrunde liegt, das auf die Einstiegssituation einzelner TeilnehmerInnen zwar Rücksicht nimmt, diese aber nicht hindert, an weiterführenden Veranstaltungen teilzunehmen.
Vor jedem praktischen Projekteinsatz muss ein Einführungsblock absolviert werden, damit gewährleistet ist, dass alle TeilnehmerInnen fachlich und sicherheitstechnisch in der Lage sind, an realen Einsatzorten mit Profis zu arbeiten.
Ohne Nachweis der nötigen sicherheitstechnischen Kenntnisse ist ein Praktikum an Maschinen und Geräten, im Labor oder auch ein Einsatz im Wasserbau etc. nicht möglich.
Die TrainerInnen überprüfen persönlich diese Kenntnisse und Fertigkeiten – werden Schwächen festgestellt, können diese durch gezielte Arbeit in Kleingruppen und in einzelnen Fällen auch als individuelle Förderung durch den Trainer außerhalb der Kurszeit in der Regel noch vor Antritt des Praktikums oder Beginn das nächsten Moduls behoben werden.
Gruppenteilung ist ein wichtiges Instrument um einerseits die Sicherheit eines Praktikums zu gewährleisten (z.B. Seiltechnik in hohen Bäumen, Baumfällungen etc.) anderseits aber auch um Personen mit ähnlichem Ausbildungsstand und ähnlicher Belastbarkeit individuell fördern zu können.
Die Form der Ausbildung wird von Praktika und praktischer Arbeit in der Natur geprägt und durch Exkursionen in typische Naturräume ergänzt, dabei werden witterungsbedingt oder zugunsten eines attraktiven Praktikums auch Änderungen im Zeitplan in Kauf genommen.
Durch „hauseigene“ Baustellen in Gemeinden, bei Mitgliedern oder in Naturschutzgebieten haben die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, auch in der Öffentlichkeit zu agieren.
z.B. Einsatz in den Naturschutzgebieten der Wachau und im pannonischen Raum, Gestaltung der Außenanlagen des Ramsar-Zentrums Schrems; Flussrenaturierungen: Taffa/Frauenhofen, Kamp/Roiten, MA 45: Wienfluß, Rosenbach, Petersbach, Lobau; Gestaltung kommunaler Grünräume im Bezirk Zwettl, Anlage von Dachgärten, Wurzelkläranlagen und Schwimmteichen bei Mitgliedern; Revitalisierung historischer Gartenanlagen in Stift Zwettl, Stift Altenburg, Schloß Greillenstein etc.
All diese Praktika werden sorgfältig vor- und nachbereitet, damit der oft nicht unerhebliche Aufwand gerechtfertigt ist.
Lernen
Intensives Lernen auch außerhalb der Kurszeiten ist notwendig; oft schwierig für KurseinsteigerInnen ist dabei das Erlernen hunderter lateinischer Pflanzennamen –für die Lehrabschlußprüfung der Gärtner aber unbedingt erforderlich.
Auf dem Ökocampus-Gelände sind alle Pflanzen beschriftet, so dass jeder Spaziergang der TeilnehmerInnen, die am Campus wohnen, zum Lernausflug werden kann.
Beliebt ist Learning by Doing: Jede/r TeilnehmerIn betreut sein/ihr eigenes Beet im Schaugarten und gestaltet völlig eigenständig einen eigenen Themengarten, der im Rahmen des jährlich auf dem Campus stattfindenden Naturgartenfestes (Schaugaerten 2009) von ca. 1500 – 2000 BesucherInnen bewundert werden kann.
Ebenfalls beliebt ist die abschließende Planungsarbeit im Jänner. Das erworbene Wissen wird hier in Form eines Gestaltungsplanes für einen Hausgarten in Abstimmung mit den BesitzerInnen zu Papier gebracht und vor einem Forum aus TrainerInnen und Ökokreis-Mitgliedern präsentiert.
Naturschutz
Die beim Ökokreis ausgebildeten LandschaftspflegerInnen sind unseres Wissens die bestausgebildeten Naturschutz-FacharbeiterInnen in Europa; vergleichbare Ausbildungen für LandschaftspflegerInnen sind üblicherweise als Fortbildungsmaßnahmen für Landwirte oder Naturschutzorganen von wenigen Wochen bis max. einigen Monaten konzipiert.
Derzeit betreut der Ökokreis die Naturschutzgebiete in der Wachau und im pannonischen Raum im Auftrag der Abteilung RU5 der Landesregierung Niederösterreich. Das Pflegeteam besteht aus AbsolventInnen dieser Ausbildung.
Perspektive
Die berufliche Perspektive ist gut, LandschaftspflegerInnen finden am bestehenden Arbeitsmarkt vor allem in Landschaftsgärtnereien ein wachsendes Betätigungsfeld. Diese Betriebe schätzen die AbsolventInnen des Landschaftspflege-Kurses wegen ihrer breit gefächerten Grundausbildung und ihren ökologischen Kenntnissen. Sie werden vor allem bei der Neuanlage oder Umgestaltung von Garten- und Parkanlagen sowie zu Pflege- und Erhaltungsarbeiten im Privatbereich eingesetzt, wo gekonntes Baustellenmanagement, Kooperations- u. Koordinationsfähigkeit sowie verantwortungsvolle Kundenbetreuung gefragt sind.
Darüber hinaus bietet sich ein großes Entwicklungspotential vor allem auf kommunaler Ebene und im professionellen Naturraummanagement. Akademisch ausgebildete Landschafts- und GartengestalterInnen finden in den LandschaftspflegerInnen hervorragend geschulte PraktikerInnen zur Umsetzung ihrer Gestaltungspläne. Immer wieder gelingt es einzelnen LandschaftspflegerInnen auch, spezielle Nischen am Arbeitsmarkt zu besetzen oder sich diese zu schaffen. Personen, die gerne projektorientiert und kreativ arbeiten, übernehmen Aufgaben in der Wissenschaft, im Bio-Gartenbau, im Naturschutz, in der Garten- oder Umweltberatung oder in der Ökopädagogik.